> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.uebergabe.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Theorie-Praxis-Verzahnung in der generalistischen Pflegeausbildung
- URL: https://www.uebergabe.de/ug195/
- Published: 2026-09-26T04:00:09.000Z
- Updated: 2026-09-26T04:00:09.000Z
- Description: 🎙️ Warum die Theorie-Praxis-Verzahnung in der generalistischen Pflegeausbildung so oft hakt und was Kommunikation, Praxisbegleitung und ein gemeinsames Ausbildungsverständnis wirklich bewirken können.
- Author: Christian
- Tags: Podcast, Übergabe, #quiz, Pflegewissenschaft, Ausbildung, Theorie/Praxis-Transfer

💡

**Das Wichtigste in Kürze**
- Theorie und Praxis vermitteln unterschiedliche Wissensarten, ein Bruch ist normal.
- Kommunikation zwischen Schule und Praxis ist der zentrale Hebel.
- Praxisbegleitung hat großes Potenzial, wird aber noch zu wenig genutzt.
- Ausbildung braucht Priorisierung als Führungsaufgabe.
- Wertschätzung Auszubildender als Lernende bleibt eine Baustelle.

📣

****Für die Befragungen im Projekt BENP II sucht das Forschungsteam fortdauernd Teilnehmer:innen, wie z. B. Praxisanleitende, Lehrkräfte, koordinierende Personen oder Leitungskräfte, Auszubildende oder Studierende des primärqualifizierenden Studiums.** Aktuell werden insbesondere auch Berufseinsteiger:innen gesucht, welche die generalistische Ausbildung absolviert haben. Haben Sie Interesse an einer Teilnahme? Dann melden Sie sich gerne ****via E-Mail bei Dr. Elena Tsarouha:** [****elena.tsarouha@hs-esslingen.de**](mailto:elena.tsarouha@hs-esslingen.de)

## Der Satz, der jede Auszubildende trifft

*»Was wir hier in der Schule lernen, sehen wir in der Praxis doch gar nicht«* – diesen Satz kennt fast jede:r, der die generalistische Pflegeausbildung durchlaufen hat. Er beschreibt einen Bruch, der so alt ist wie die Berufsbildung selbst. Doch mit der Generalistik hat er eine neue Dringlichkeit bekommen. Genau darum ging es in einer ausführlichen Folge des Übergabe-Podcasts mit Dr. Elena Tsarouha von der Hochschule Esslingen und Daniel Großmann, beide tätig in der Begleitforschung zur neuen Pflegeausbildung (BENP).

[Die BENP – die ***»Begleitforschung des Veränderungsprozesses zur Einführung der neuen Pflegeausbildungen«***](https://www.bibb.de/de/216003.php?ref=uebergabe.de) ist ein Forschungsauftrag, der im Pflegeberufegesetz verankert und vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) beauftragt ist. Inzwischen läuft das Projekt im sechsten Jahr, aktuell als BENP II. Wer sich einen Überblick über die [Arbeit des Bundesinstituts für Berufsbildung](https://www.bibb.de/de/209857.php?ref=uebergabe.de) verschaffen möchte, findet dort auch Hintergründe zur Pflegeberufereform.

![Die Übergabe-App auf dem iPhone](https://www.uebergabe.de/content/images/2026/08/app-mockup-hell.png) 

Die Übergabe als App

Alle Folgen und Wissens-Checks, Videokurse, Jobangebote, Events und die gesamte Community auf dem Handy. Anmeldung mit deinem Newsletter-Konto, kein Passwort nötig.

[![Laden im App Store](https://www.uebergabe.de/content/images/2026/08/badge-appstore-v2.png)](https://apps.apple.com/de/app/id6791414278?ref=uebergabe.de) [![Jetzt bei Google Play](https://www.uebergabe.de/content/images/2026/08/badge-play.png)](https://play.google.com/store/apps/details?id=de.uebergabe.app&ref=uebergabe.de) [![QR-Code: Übergabe-App laden](https://www.uebergabe.de/content/images/2026/09/app-qr.png)](https://www.uebergabe.de/app/?go=app) 

## Warum Theorie und Praxis nie deckungsgleich sein können

Zunächst die gute Nachricht: Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis ist kein Pflege-Sonderproblem. Sie steckt in jeder Ausbildung, also vom Handwerk bis zur Pflege. Der Grund liegt in der Logik zweier Lernorte, die unterschiedliche Wissensarten vermitteln.

> *»An den Schulen wird vor allem strukturiertes Wissen vermittelt, das regelgeleitet, systematisiert, abstrahiert und heutzutage evidenzbasiert ist. Und in der Praxis wird unstrukturiertes Wissen vermittelt – das ist gar nicht negativ gemeint, sondern ein eigener Wissenstypus, der auf Erfahrung, Tradition und Intuition beruht.«*

Beide Wissensformen sind wichtig. Und genau deshalb geht es bei der Theorie-Praxis-Verzahnung nicht um eine perfekte Synchronisation. *Ziel ist es, beide Welten so zu verbinden, dass das Beste aus beiden in die Ausbildung fließt.* Ein reibungsloses Zusammenspiel ist dabei weder erreichbar noch überhaupt wünschenswert.

## Was die Generalistik verändert hat

Warum lohnt sich der genaue Blick trotzdem gerade jetzt? Weil die generalistische Pflegeausbildung ihre Struktur und Ausrichtung verändert hat. Sie ist versorgungsbereichsübergreifend angelegt, rückt die Pflegeprozesssteuerung in den Mittelpunkt und folgt den Prinzipien der Kompetenz- und Situationsorientierung.

In der Praxis bedeutet das: Ein Betrieb kooperiert häufig mit mehreren Schulen, und die Lehrkräfte wählen für ihren Unterricht sehr unterschiedliche Fallbeispiele aus. Auszubildende kommen also mit ganz verschiedenen Voraussetzungen in ebenso verschiedene Arbeitsbereiche. Das erzeugt eine große Heterogenität bei den Kompetenzständen und erhöht genau dadurch die Bedeutung einer funktionierenden Verzahnung.

## Konzeption braucht Kommunikation

Ein einheitliches Verständnis davon, was Theorie-Praxis-Verzahnung eigentlich ist, gibt es nicht. Fragt man verschiedene Menschen, bekommt man verschiedene Antworten – von Rahmenbedingungen über die inhaltliche Abstimmung der Curricula bis zu Qualitätsansprüchen. Ein Punkt aber sticht heraus: die Kommunikation.

> *»Wenn man schaut, was läuft nicht so gut in der Theorie-Praxis-Verzahnung, hat es häufig mehr mit Kommunikation als mit Konzeption zu tun. Dass zwischen den Lernorten in beide Richtungen Informationen fließen und Dinge abgesprochen werden – das kann man gar nicht hoch genug einschätzen.«*

Denn was fehlt, ist oft banal: Die Praxisorte wissen nicht, was in der Schule gerade aktuell durchgenommen wurde, und sind zu wenig über den Wissens- und Kompetenzstand der Auszubildenden informiert.

📬 ****Unser Newsletter bleibt kostenlos – dank über 350 Menschen, die uns bereits unterstützen.**

Als Übergabe-Mitglied bekommst du [wöchentliche Briefings](https://www.uebergabe.de/tag/briefings/) direkt ins Postfach, Zugriff auf das komplette Archiv – und alle [Videokurse](https://www.uebergabe.de/tag/videokurs/), die dein Pflegewissen auf ein neues Level heben.

Ab 5 € im Monat. Kündbar jederzeit.

[Jetzt Mitglied werden – ab 5 €/Monat ](https://uebergabe.de/mitgliedschaft?ref=uebergabe.de) 

## Was Auszubildende wirklich kritisieren

Die Perspektive der Auszubildenden ist in der Begleitforschung stark vertreten. Die Verbindung zwischen Schul- und Praxisinhalten bewerten sie im Schnitt mit einer Schulnote zwischen zwei und drei – nicht schlecht, aber mit Luft nach oben. Die aufschlussreicheren Antworten stammen aus Freitextfeldern und lassen sich in drei Gruppen bündeln:

- **Abstimmung der Lehrinhalte:** Praxisorte wissen oft nicht, was gerade in der Schule Thema ist.
- **Synchronisation mit den Einsätzen:** Dinge werden in der Praxis geübt, bevor sie in der Schule dran waren oder eben lange danach.
- **Praxisferne Lerninhalte:** Es fehlt der Bezug dazu, wie etwas in der Praxis tatsächlich umgesetzt wird.

Interessant ist: Auszubildende adressieren die Verantwortung für Verbesserungen vor allem an die Schule – obwohl die Verzahnung an beiden Lernorten stattfindet.

## Ein Beispiel, das beide Seiten offenlegt: die Pflegeprozesssteuerung

Besonders deutlich wird das Problem bei der Pflegeprozesssteuerung und -planung. Schon der Sprachgebrauch unterscheidet sich zwischen Schulen und Betrieben, teils sogar innerhalb einer Einrichtung. Verschiedene Tools und Methoden führen zu Unsicherheit auf beiden Seiten: Haben die Auszubildenden ihre Lern- und Arbeitsaufgaben »im Sinne der Schule« korrekt bearbeitet oder nicht?

Erschwerend kommt hinzu, dass Lernende in der Praxis häufig konkrete Tätigkeiten ausführen, ohne in Pflegeplanung und Dokumentation eingebunden zu werden. Und wenn es auf die Prüfung zugeht, müssen sie sich manchmal neu vorbereiten, weil die Schule dort etwas anderes abverlangt, als sie im Betrieb gelernt haben. Die Lösung liegt laut Forschung weniger im Vereinheitlichen als im gezielten Adressieren der Unterschiede.

*Das Erleben von Widersprüchen zwischen Theorie und Praxis kann ein echter Lernimpuls sein: Es regt zur Reflexion und zum Austausch an. Wichtig ist aber die Einordnung – wo ist es Aufgabe der Auszubildenden, mit Diskrepanzen umzugehen, und wo müssen ausbildende Akteure sie erst dazu befähigen? Denn zu häufige »Praxisschocks« wirken schlicht demotivierend.*

## Die Praxisbegleitung mit viel Potenzial

Ein Instrument mit großem Potenzial ist die Praxisbegleitung. Dabei gehen schulische Akteure während des Praxiseinsatzes in die Betriebe, um Auszubildende fachlich zu betreuen und praxisanleitende Personen zu unterstützen. Im Idealfall wird eine reale Pflegesituation gemeinsam mit Lehrkraft, Praxisanleitung und Auszubildenden vorab geplant und begleitet.

Die Realität sieht oft anders aus. Vielen Auszubildenden ist gar nicht klar, wofür die Praxisbegleitung eigentlich da ist. Die Regelungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern stark und in einigen Ländern dient die Praxisbegleitung ausschließlich der Bewertung von Praxisleistungen. Genau das ist kontraproduktiv, weil ein Rollenkonflikt entsteht.

> *»Ich kann Theorie-Praxis-Diskrepanzen nicht reflektieren, wenn dabei bewertet wird. Das ist schwierig, ich glaube, das müsste man trennen.«*

Auffällig ist außerdem: In den klassischen Versorgungsbereichen wie Langzeit- und Akutpflege findet Praxisbegleitung häufiger statt, in exotischeren Bereichen deutlich seltener. Ein Hinweis darauf, dass die Lehrenden die enorme Bandbreite kaum bedienen können.

## Praxisanleitung: zentral – und überlastet

Die Praxisanleitung bleibt aus Sicht der Auszubildenden der zentrale Ort des Lernens in der Praxis. Praxisanleitende müssen für jede Person die individuellen Lernvoraussetzungen feststellen – auch für Auszubildende, die nur für einen Einsatz von einem anderen Träger kommen. Zusätzlich müssen sie oft einsatzspezifische theoretische Inhalte mitvermitteln. Die Anforderungen sind hoch.

Die Ressourcen dagegen reichen nicht. Zwar ist der Anteil derer, die das »10-Prozent-Ziel« an strukturierter Praxisanleitung erreichen, leicht gestiegen – die durchschnittliche Anleitungsanzahl wuchs von 16 auf 18 pro Jahr. Doch etwa ein Viertel aller Praxisanleitungen dauert eine Stunde oder weniger. Zu kurz, um zu zeigen, zu machen *und* Feedback zu geben. Vor- und Nachbereitung sowie Kommunikation mit der Schule sind im Deputat oft gar nicht abgebildet.

## Ausbildung ist Teamaufgabe – und Chefsache

Wessen Aufgabe ist Ausbildung eigentlich? Idealerweise die des ganzen Teams. In der Realität ziehen sich Pflegefachpersonen jedoch teils zurück – ein Phänomen, das schon vor der Generalistik zu beobachten war und viel mit schlechten Rahmenbedingungen zu tun hat. Für den Alltag heißt das: Vieles lässt sich nicht durch die Ausbildungsreform lösen, sondern nur durch Führung und Organisation vor Ort.

> *»Ausbildung muss ein Stück weit Chefsache sein, damit Raum, Geld und Zeit zur Verfügung gestellt werden – etwa dass Praxisanleitungen jenseits des Dienstplanes geplant werden und nicht das Erste sind, das ausfällt, wenn eine Fachkraft fehlt.«*

Auch die verbreitete Klage, generalistisch Ausgebildete »könnten alle nichts mehr«, lässt sich neu deuten – als Reaktion auf Verunsicherung. Denn erfahrene Pflegefachpersonen wurden mit der Reform zu wenig mitgenommen. Für deinen Arbeitsalltag heißt das: Wer im Team weiß, was sich verändert hat und was nicht, begegnet Auszubildenden gelassener.

## Was bleibt: dranbleiben und vertrauen

Trotz aller Baustellen fällt der Ausblick verhalten optimistisch aus. Die ersten generalistisch ausgebildeten Kohorten treten motiviert und reflektiert in den Beruf ein – und der Berufseinstieg klappt besser als erwartet. Auszubildenden gab die Runde vor allem eines mit: dranbleiben, auch wenn es schwierig ist. Und darauf vertrauen, dass irgendwann der Moment kommt, in dem alles »Klick« macht. Weitere Materialien zum Projekt finden sich in den Shownotes.

\---

## Zum Weiterhören

- [ÜG168 – Generalistische Pflegeausbildung auf dem Prüfstand (Dr. Markus Wochnik & Daniel Großmann)](https://www.uebergabe.de/ug168/)
- [PU112 – Bericht zur generalistischen Pflegeausbildung / Diskussionen um Kinästhetik](https://www.uebergabe.de/pu112/)
- [ÜG192 – Generalistik, Pädiatrie und der Mut zur ehrlichen Diskussion (Jennifer Wellensiek & Kathrin Scherer)](https://www.uebergabe.de/ug192/)

🎓

**Wissen testen & Fortbildungspunkte sichern:** Direkt unter diesem Artikel wartet der Wissens-Check zur Episode.

• • •