🗓️
#115 | 29.01.2026

Worum geht's?

In der vorliegenden Studie geht es um die Wirksamkeit von Gruppentherapien auf Basis der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) zur Behandlung der postpartalen Depression (PPD), durchgeführt von Pflegefachpersonen im öffentlichen Gesundheitsdienst, die über keine oder nur geringe psychiatrische Vorerfahrung verfügen. Dabei wurde untersucht, inwiefern diese Intervention depressive Symptome, Sorgen, soziale Unterstützung und die Mutter-Kind-Beziehung positiv beeinflussen kann. 

💡
In Deutschland liegt die Inzidenz bzw. Prävalenz der postpartalen Depression, also der Depression, die im Wochenbett oder im ersten Jahr nach der Geburt auftritt, bei etwa 10 – 15 % aller Mütter. Das bedeutet, dass ungefähr jede siebte bis zehnte Frau nach der Entbindung eine klinisch relevante depressive Episode entwickelt, die über die üblichen kurzzeitigen Stimmungsschwankungen („Baby-Blues“) hinausgeht. In einigen Quellen werden auch Werte bis 15 – 20 % genannt, abhängig von der Messmethode und dem betrachteten Zeitraum nach der Geburt. Diese Erkrankung ist nicht nur individuell belastend, sondern besitzt weitreichende Konsequenzen für Mutter, Kind und die dyadische Beziehung zwischen beiden. Für Mütter bedeutet eine postpartale Depression eine anhaltende tiefe Niedergeschlagenheit, Verlust von Interesse und Freude, erhöhte Ängstlichkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel und in schweren Fällen Suizidgedanken oder –handlungen. Diese Symptome können die psychosoziale Funktionsfähigkeit der Mutter massiv beeinträchtigen und, wenn sie unbehandelt bleiben, über Monate bis Jahre persistieren. Für Kinder stellt eine unbehandelte PPD ein Risiko für die frühe Entwicklung dar: Die depressive Symptomatik der Mutter kann die Feinfühligkeit, Responsivität und Interaktion mit dem Säugling reduzieren. Das bedeutet, dass emotionale Signale des Kindes weniger zuverlässig wahrgenommen und beantwortet werden, was die emotionale Regulation, Bindungsentwicklung, kognitive Entwicklung und das soziale Lernen des Kindes negativ beeinflussen kann. Frühkindliche Regulations- oder Bindungsstörungen, verzögerte motorische oder sprachliche Entwicklung sowie langfristige psychische Belastungen sind in dieser Forschungslandschaft beschrieben. Für die Dyade Mutter-Kind, also die wechselseitige Beziehung, stellt die postpartale Depression ein zentrales Risiko dar, weil sie die Qualität der Interaktion, das wechselseitige Vertrauen und den Aufbau einer stabilen Bindung untergräbt. Eine sichere Bindung gilt als zentraler Schutzfaktor für die spätere psychische Gesundheit des Kindes. Wenn die Mutter durch depressive Symptome in ihrer Verfügbarkeit und emotionalen Präsenz eingeschränkt ist, können negative Interaktionsmuster entstehen, die Bindungssicherheit und sozio-emotionale Entwicklung gefährden. 

Was war das Ziel der Studie?

Das Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob Pflegefachpersonen mit minimaler psychotherapeutischer Ausbildung durch gezielte Schulung in der Lage sind, effektive Gruppentherapien zur Behandlung von PPD anzubieten. Insbesondere sollte überprüft werden, ob die Behandlung nicht nur kurzfristig, sondern auch sechs Monate nach der Intervention noch positive Effekte zeigt.