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#117 | 12.02.2026

Worum geht's?

Die Studie untersucht die langfristige Prävention von Katheter-assoziierten Harnwegsinfektionen (CAUTI) bei kritisch kranken Patient:innen durch die Einführung eines Bildungsprogramms für Gesundheitsfachpersonen und einer täglichen Checkliste zur Beurteilung der Indikation für Blasenkatheter. Dabei wurde über einen Zeitraum von zwölf Jahren in einer Intensivstation eines öffentlichen Krankenhauses in Brasilien die Wirkung dieser Maßnahmen analysiert. 

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In Deutschland gehören katheterassoziierte Harnwegsinfektionen (CAUTI) zu den häufigsten nosokomialen (im Krankenhaus erworbenen) Infektionen und machen einen erheblichen Teil der stationär auftretenden Harnwegsinfektionen aus: Etwa 80 % der im Krankenhaus diagnostizierten Harnwegsinfektionen stehen in direktem Zusammenhang mit einem Blasenkatheter und 15 – 25 % aller Patient:innen erhalten während ihres Krankenhausaufenthalts einen Harnwegskatheter, besonders häufig auf Intensivstationen, wo der Anteil noch höher liegt. Insgesamt ereignen sich in Deutschland Schätzungen zufolge rund 152.000 – 155.000 Harnwegsinfektionen pro Jahr, wobei ein bedeutender Anteil katheterbedingt ist. Etwa 60 % der nosokomialen Harnwegsinfektionen weisen einen Katheterbezug auf. Quantitative Inzidenzraten speziell für CAUTI-Dichte in Deutschland stammen vor allem aus Surveillance-Daten und kleineren Studien im Intensivbereich. In einer prospektiven Beobachtungsstudie wurde beispielsweise eine Inzidenzdichte von etwa 7 Infektionen pro 1.000 Katheter-Tage berichtet; dies bedeutet, dass auf jeweils 1.000 Tage, an denen ein Harnkatheter gelegt ist, etwa sieben CAUTIs dokumentiert wurden. Auswirkungen auf Patient:innen sind vielschichtig: Katheterassoziierte Harnwegsinfektionen verursachen lokale Beschwerden wie Dysurie, Fieber, Unterbauchschmerzen und können die Versorgungssituation komplexer machen, insbesondere bei älteren oder multimorbiden Patient:innen. Klinisch relevant sind auch schwerwiegende Komplikationen wie sekundäre Bakteriämien oder Urosepsis, die – je nach Studie – bei mehreren Prozent der Fälle auftreten und eine deutlich erhöhte Morbidität sowie Mortalitätsrisiken bedeuten. Darüber hinaus verlängern CAUTIs in vielen Fällen die Krankenhausliegedauer und steigern den Behandlungsaufwand, da zusätzliche Diagnostik, Antibiotikatherapie oder intensivierte pflegerische Betreuung notwendig werden. 

Was war das Ziel der Studie?

Ziel der Studie war es, die Inzidenzrate von CAUTI und die Nutzung von Harnwegskatheter durch gezielte Interventionen zu senken. Die Autor:innen wollten zeigen, dass strukturelle Maßnahmen im Alltag von Pflegefachpersonen und Ärzt:innen zu einer messbaren Reduktion nosokomialer Infektionen führen können.