BAPID III: Ein Referenzmodell für Verantwortung in der Pflege
Mit BAPID III – der „Bildungsarchitektur der Pflege in Deutschland“ – liegt ein Modell vor, das eine der grundlegendsten Fragen der Pflege adressiert: Wer macht was – und wer trägt Verantwortung?
Weg von unscharfen Begriffen
Bisher wurde die Differenzierung von Rollen in der Pflege häufig über Begriffe wie „komplexe“ oder „hochkomplexe“ Pflegesituationen beschrieben. Diese Begriffe sind zwar im Alltag präsent, bieten aber kaum Orientierung. Sie sagen wenig darüber aus, wer Entscheidungen trifft, wer Prozesse steuert oder wer die Verantwortung trägt.
Genau hier setzt BAPID III an. Der zentrale Perspektivwechsel besteht darin, nicht mehr die Situation in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die professionelle Verantwortung. Die Pflegewissenschaftlerin Katharina Genz bringt das prägnant auf den Punkt: Nicht die Pflegesituation unterscheidet die Rollen, sondern die Verantwortung.
Damit wird ein entscheidender Schritt vollzogen: Pflege wird nicht mehr primär über Tätigkeiten beschrieben, sondern über Verantwortungsbereiche.
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Vier Kompetenzprofile als Struktur
Im Kern beschreibt BAPID III vier Kompetenzprofile, die in allen Versorgungsbereichen gelten – von der ambulanten Versorgung über die Langzeitpflege bis zur Akutpflege:
- Pflegefachassistenz übernimmt unterstützende Aufgaben.
- Pflegefachpersonen verantworten den gesamten Pflegeprozess, also Planung, Durchführung und Evaluation.
- Akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen reflektieren Entscheidungen, arbeiten evidenzbasiert und treiben fachliche Entwicklungen voran.
- Wissenschaftlich qualifizierte Pflegeexpert:innen beziehungsweise APN-Rollen, die Praxis und Forschung miteinander verbinden und die Pflege systematisch weiterentwickeln.
Ein Orientierungsrahmen – keine Stellenbeschreibung
Die Kompetenzprofile sind bewusst nicht als konkrete Stellenbeschreibungen formuliert. Sie sind als Referenzmodell gedacht, das Orientierung bietet. Einrichtungen können darauf aufbauend eigene Rollenprofile entwickeln, anpassen und ausgestalten.
Damit schafft BAPID III eine gemeinsame Sprache für die Pflege. Es ermöglicht, Rollen klar zu benennen, Verantwortlichkeiten zu definieren und Entwicklungen nachvollziehbar zu machen.
Das Projekt BAPID III (Bildungsarchitektur der Pflege in Deutschland) wurde im Auftrag des Deutschen Pflegerats von der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops durchgeführt. Es basiert auf der Bildungsmatrix aus BAPID I sowie den Rollenprofilen und Berufsbildern aus BAPID II. Federführend war in dem Projekt die Pflegewissenschaftlerin Katharina Genz verantwortlich.
Bis zum Jahresende läuft das Projekt BAPID IV - im Zentrum des Projektes steht die Entwicklung einer Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO).

APN im Krankenhaus: Von der Idee zur Umsetzung
Eine neue Rahmenempfehlung zur Implementierung von Advanced Practice Nursing und Midwifery in deutschen Krankenhäusern, zeigt auf wie diese neuen Rollen konkret umgesetzt werden können. Herausgegeben wurde die Empfehlung vom Verband der Pflegedirektorinnen der Universitätskliniken.
Warum APN jetzt stärker in den Fokus rückt
Krankenhäuser stehen vor steigenden Anforderungen. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und wachsende Qualitätsanforderungen erhöhen den Druck auf die Versorgungssysteme.
In diesem Kontext werden APN- und APM-Rollen zunehmend als Lösungsansatz gesehen. Sie sollen dazu beitragen, Versorgung zu verbessern, Prozesse zu stabilisieren und pflegerische Expertise stärker einzubringen.
Thorsten Rantzsch, Vorsitzender des VPU, beschreibt diese doppelte Herausforderung als zentralen Treiber für die Entwicklung neuer Rollen.
Die Rahmenempfehlung als Praxisleitfaden
Die Empfehlung richtet sich an ein breites Publikum: Klinikleitungen, Pflegedirektionen, APN selbst sowie alle, die an Versorgungsentwicklung beteiligt sind.
Sie enthält nicht nur theoretische Grundlagen, sondern auch konkrete Praxisbeispiele. Dazu gehören etwa APN-Rollen in der Intensivpflege, der Kinderchirurgie oder der Onkologie an verschiedenen Universitätskliniken.

Der Weg zur APN-Rolle: Mehr als ein einzelner Schritt
Die Einführung einer APN-Rolle ist ein komplexer Entwicklungsprozess. Ein zentraler Baustein ist dabei die Orientierung an etablierten Frameworks.
In der Rahmenempfehlung wird insbesondere das PEPPA-Framework hervorgehoben, entwickelt von Bryant-Lukosius und DiCenso (2004). Dieses Modell beschreibt einen mehrstufigen Prozess zur Einführung neuer Pflege-Rollen.
Ein entscheidender Ausgangspunkt ist die IST-Analyse. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte. In der Praxis wird dieser Schritt jedoch häufig übersprungen, was dazu führt, dass Zielsetzungen unklar bleiben und Rollen nicht nachhaltig implementiert werden.
Insgesamt umfasst das Framework neun Schritte – von der Bedarfsanalyse bis zur Evaluation.
Erfolgsfaktoren für die Implementierung und Finanzierung
Neben methodischen Ansätzen beschreibt die Rahmenempfehlung auch zentrale Erfolgsfaktoren. Dazu gehört die strukturelle Verankerung von APN-Rollen in bestehenden Organisationsstrukturen. Ebenso wichtig ist die enge Anbindung an Leitungsteams, um Entscheidungswege zu sichern.
Ein weiterer Faktor ist die Vernetzung. APN-Rollen profitieren von Austausch – innerhalb der Einrichtung ebenso wie in nationalen und internationalen Netzwerken. Und nicht zuletzt sind klare Rollen- und Stellenprofile entscheidend.
Ein häufig genannter Hinderungsgrund für die Einführung von APN-Rollen ist die Finanzierung. Auch dieses Thema greift die Rahmenempfehlung auf. Sie zeigt Möglichkeiten der Eingruppierung in Tarifstrukturen sowie Finanzierungsoptionen über bestehende Instrumente wie Pflegebudget oder PPR 2.0.


