Grenzenlos pflegen: Wie Deutschland, Österreich und die Schweiz die Pflege von morgen gestalten
Stell dir vor, du arbeitest in einem Bereich, der uns alle angeht, in dem die Lösungen aber oft hinter verschlossenen Türen oder innerhalb enger Landesgrenzen gesucht werden. In der Pflege ist das oft Realität. Doch genau hier setzt der sogenannte DACH-Austausch an – eine Initiative, die Pflegefachpersonen aus Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH)zusammenbringt, um voneinander zu lernen und gemeinsam die Zukunft zu planen. In der neuesten Folge des Übergabe-Podcasts haben wir mit Dr. Sandra Strube-Lahmann aus der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité-Universitätsmedizin Berlin darüber gesprochen, was diesen Austausch so besonders macht und warum er für deine tägliche Arbeit wichtiger ist, als du vielleicht denkst.
Du liest die Übergabe. Aber du siehst nur die Hälfte.
Unsere Briefings fangen dort an, wo der Podcast aufhört: fundierte Artikel zu den Themen, die im Pflegealltag wirklich wichtig sind. Zuletzt: Wie erleben Patient:innen das Intubiert-Sein? – ein Thema, über das kaum jemand spricht, obwohl es jeden Tag passiert.
Dazu unser Videokurs Wissenschaftliches Arbeiten in der Pflege – für alle, die ihren Beruf nicht nur ausüben, sondern verstehen wollen.
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Ein Blick über den Tellerrand
Der DACH-Austausch ist weit mehr als nur ein gemütliches Kaffeetrinken unter Kolleg:innen. Es geht darum, die Pflegecommunity im gesamten deutschsprachigen Raum zu vernetzen. Warum? Weil wir vor ähnlichen Problemen stehen, aber unterschiedliche Lösungswege gehen. Während in der Schweiz die Akademisierung der Pflege schon lange fest etabliert ist, kämpfen wir in Deutschland noch an vielen Fronten um Anerkennung und klare Strukturen. Österreich wiederum bringt ganz eigene Impulse im Bereich der pflegerischen Versorgungspraxis ein. Durch das Zusammenbringen von Akteur:innen aus Wissenschaft, Management und Praxis entsteht ein Schmelztiegel der Ideen, der weit über nationale Grenzen hinausstrahlt.
"Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel wir voneinander lernen können, wenn wir den Mut haben, die nationalen Brillen einmal abzusetzen." - Dr. Sandra Strube-Lahmann
Rollenverteilung und neue Horizonte
Ein zentrales Thema, das im letzten Austausch und im Podcast intensiv diskutiert wurde, ist die Standardisierung in der Kompetenz- und Praxisentwicklung, insbesondere in der hochschulischen Pflegebildung. Dabei ging es auch um die Übernahme von Verantwortung und Übertragung von Aufgaben, für die Pflegefachpersonen qualifiziert sind. In der Schweiz ist es völlig normal, dass Pflegefachpersonen klinische Entscheidungen treffen, für die in Deutschland oft noch eine ärztliche Anordnung nötig ist. Dieser Vergleich schmerzt manchmal, aber er zeigt uns auch, wohin die Reise gehen kann. Der DACH-Austausch hilft dabei, diese Rollenprofile zu schärfen und Argumente für politische Veränderungen in den jeweiligen Ländern zu sammeln.
Die Zukunft im Szenario-Workshop
Besonders spannend war der Einblick in den Szenario-Workshop. Hier wurde nicht nur über den Ist-Zustand gejammert, sondern aktiv in die Zukunft geblickt. Wie sieht die Pflege im Jahr 2030, 2040 oder 2050 aus? In heterogenen Kleingruppen wurden verschiedene Welten entworfen – von hochtechnisierten Pflegeumgebungen bis hin zu Modellen, in denen die menschliche Zuwendung wieder absolut im Fokus steht. Diese methodische Herangehensweise erlaubt es, heute schon die Weichen für morgen zu stellen. Es geht darum, proaktiv zu sein, statt nur auf Krisen zu reagieren. Für dich bedeutet das: Die Pflege von morgen wird aktiv gestaltet, und dieser Austausch liefert das Fundament dafür.
Vernetzung als Superkraft
Ein oft unterschätzter Faktor solcher Veranstaltungen ist die reine Vernetzung. In den Pausen (die, wie Dr. Sandra Strube-Lahmann lachend zugibt, immer zu kurz sind) entstehen die wertvollsten Kontakte. Wenn die Pflegedirektorin aus Wien mit dem Wissenschaftler aus Bern und der Studierenden aus Berlin spricht, werden Hierarchien aufgebrochen. Diese persönliche Ebene sorgt dafür, dass Kooperationen entstehen, die über das Event hinaus Bestand haben. Es bildet sich eine starke Stimme für die Pflege im DACH-Raum, die auch auf politischer Ebene Gehör findet.
"Wir müssen die Pflegecommunity im gesamten deutschsprachigen Raum als Einheit denken, um wirklich etwas zu bewegen." - Dr. Sandra Strube-Lahmann
Was bleibt für die Praxis?
Vielleicht fragst du dich jetzt: „Schön und gut, aber was habe ich davon auf meiner Station?“ Die Antwort ist einfach: Innovation. Viele der Standards und Konzepte, die heute in modernen Kliniken Einzug halten, haben ihren Ursprung in solchen länderübergreifenden Diskursen. Der DACH-Austausch sorgt dafür, dass das Rad nicht dreimal neu erfunden werden muss. Wenn eine Lösung in Zürich funktioniert, warum sollten wir sie in München oder Linz nicht auch ausprobieren? Der Austausch spart Zeit, Ressourcen und vor allem Nerven.
Ausblick: 2027 im Visier
Der DACH-Austausch ist kein Einmaleffekt. Die Vorbereitungen für das nächste große Treffen im Jahr 2027 laufen bereits. Bis dahin wird in kleineren Arbeitsgruppen und digitalen Formaten weitergearbeitet. Das Ziel ist klar: Die Pflegefachpersonen in allen drei Ländern sollen gestärkt werden, um die Herausforderungen der alternden Gesellschaft und des Fachkräftemangels gemeinsam zu meistern. Bleib also dran, vernetze dich und bring deine Perspektive ein – denn Pflege kennt keine Grenzen.
Weiterführende Links
- ONE-Pager „Pflege braucht Qualität“ in überarbeiteter Fassung erschienen | DGP - Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V.
- Pflege braucht Qualität - magazin.pflegenetz.at
- 1. D-A-CH-Austausch: Charité – Universitätsmedizin Berlin
- Abstract-Band zum 1. D-A-CH-Austausch März 2025
- ONE-Pager „Pflege braucht Qualität“ in überarbeiteter Fassung erschienen | DGP - Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V.
- Cluster Zukunft der Pflege auf dem 2. D-A-CH Austausch
Ergebnis unserer Umfrage
Wir hatten im Newsletter zur Episode Soziologische Pflegeforschung gefragt: Wer sollte deiner Meinung nach die Hauptverantwortung für häusliche Pflege tragen? Hier das Ergebnis der Übergabe-Community:
Neues One-Minute-Wonder
Magda hat ein neues One-Minute-Wonder entworfen. Es geht um Schmerzempfinden bei Menschen mit Demenz. Viel Spaß damit!

Ist das Pflegebudget am Ende?
Das PflegeUpdate hat mehrfach dazu berichtet und das Thema Pflegebudget hat kurzzeitig auch die pflegerische Medienlandschaft bewegt. Nun müssen ENtscheidungen getrofen werden - wie es dann mit dem Pflegebudget weitergeht, steht derzeit in den Sternen. Wenn du aber Lust hast darüber zu diskutieren, dann mach das doch bei uns im Forum. Wir freuen uns über lebhafte Beiträge!

4-Tage English-Language Workshop
Pflege auf Englisch kommunizieren – das ist im Arbeitsalltag immer relevanter. Das Programm English for Nurses bietet vom 9. bis 12. November 2026 in Bristol einen intensiven 4-Tage-Workshop speziell für Pflegefachpersonen: Medizinische Fachsprache, Gesprächssituationen auf Station, interkultureller Austausch – und am letzten Tag ein Besuch im Southmead Hospital sowie an der University of the West of England.
Die Kurse finden in kleinen Gruppen statt, sind auf Englisch-Grundkenntnisse ausgelegt und kosten 595 € pro Person.
Alle Infos und Buchung: [email protected] · englishfornurses.org


