Wir sprechen in unserer neuen Folge mit Michaela Bayer über die Versorgung von Menschen auf einer Palliativstation. Dabei erfahrt ihr mehr über die Tätigkeit und die Betreuung von Angehörigen. Zusätzlich sprechen wir über Hoffnung auf einer Palliativstation und die Lebensqualität der versorgten Menschen.

Was ist Palliativpflege?

Palliativpflege umfasst die ganzheitliche Betreuung von Menschen mit unheilbaren Erkrankungen. Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Palliativpflege ausschließlich Sterbebegleitung bedeutet. Tatsächlich geht es jedoch auch um die Linderung von Symptomen wie Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie um die psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung der Betroffenen. Michaela Bayer betont, dass die Palliativpflege darauf abzielt, die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern und ihnen sowie ihren Angehörigen in dieser schwierigen Zeit beizustehen.

Unterschied zwischen Palliativstation und Hospiz

Eine Palliativstation ist an ein Krankenhaus angegliedert und betreut Menschen mit akuten Symptomen, die einer intensiven medizinischen und pflegerischen Versorgung bedürfen. Ein Hospiz hingegen ist eine separate Einrichtung, in der Menschen bis zu ihrem Lebensende bleiben können. Die Aufenthaltsdauer auf einer Palliativstation ist in der Regel auf zwei Wochen begrenzt, während Hospizbewohner:innen in der Regel bis zu einem Jahr dort verbringen können. Beide Einrichtungen arbeiten eng zusammen, um eine nahtlose Versorgung zu gewährleisten.

Hauptaufgaben der Palliativpflegekräfte

Die Aufgaben der Palliativpflegekräfte sind vielfältig und richten sich nach den individuellen Bedürfnissen der Patient:innen. Neben der Unterstützung bei der Körperpflege und der Essenseinnahme sind Palliativpflegekräfte auch für die Symptomkontrolle und die Verabreichung von Medikamenten zuständig. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der psychologischen und spirituellen Unterstützung, da viele Patient:innen am Lebensende mit existenziellen Fragen und Ängsten konfrontiert sind.

Herausforderungen und ethische Dilemmata

Eine der größten Herausforderungen in der Palliativpflege ist die Balance zwischen medizinischen Notwendigkeiten und den individuellen Bedürfnissen der Patient:innen. Michaela Beyer berichtet von Situationen, in denen es notwendig ist, von standardisierten pflegerischen Maßnahmen abzuweichen, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die Entscheidung, die Position eines sterbenden Menschen nicht alle zwei Stunden zu ändern, wenn dies dessen Wohlbefinden beeinträchtigen würde.

Ethische Dilemmata entstehen häufig, wenn keine klaren Patient:innenverfügungen vorliegen oder Angehörige unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Versorgung haben. In solchen Fällen sind umfassende Gespräche und gegebenenfalls Supervisionen notwendig, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen.

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Michaela und Sara haben zusammen einen Instagram-Kanal, auf dem sie Informationen über die Palliativpflege zur Verfügung stellen und Aufklärung leisten wollen. Ein Blick lohnt sich!

Die Rolle der Angehörigen

Die Angehörigen spielen eine zentrale Rolle in der Palliativpflege. Sie sind oft mit der Situation überfordert und benötigen ebenso Unterstützung und Aufklärung. Michaela Beyer hebt hervor, dass die Trauerarbeit nicht erst nach dem Tod beginnt, sondern bereits während des Krankheitsverlaufs. Palliativpflegekräfte nehmen sich daher viel Zeit für Gespräche mit den Angehörigen und bieten ihnen emotionalen Beistand.

Empathie und professionelle Nähe

Eine wesentliche Kompetenz in der Palliativpflege ist Empathie. Michaela Beyer betont die Bedeutung der sogenannten "professionellen Nähe", bei der Pflegekräfte einerseits Nähe und Vertrauen aufbauen, andererseits aber auch die notwendige Distanz wahren müssen, um sich selbst zu schützen. Diese Balance ist entscheidend, um den Patient:innen und deren Angehörigen bestmöglich beizustehen, ohne dabei emotional auszubrennen.

Qualitätsmessung in der Palliativpflege

Die Messung der Pflegequalität in der Palliativpflege ist komplex. Standardisierte Kriterien reichen oft nicht aus, um die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen zu erfassen. Ein wichtiger Aspekt ist die kontinuierliche Einschätzung der Symptomlast und der Lebensqualität. Hierbei spielen sowohl die subjektiven Einschätzungen der Patient:innen als auch die Beobachtungen der Pflegekräfte eine Rolle.

Weiterbildung und Wissenstransfer

Ein wesentlicher Punkt, der im Podcast zur Sprache kommt, ist der Mangel an Wissen und Ressourcen in der allgemeinen Krankenpflege. Michaela Beyer plädiert dafür, dass Palliativpflege nicht nur auf spezialisierten Stationen, sondern auch auf Normalstationen und in der häuslichen Pflege mehr Beachtung findet. Sie betont die Bedeutung von Fortbildungen und den Austausch zwischen den verschiedenen Pflegebereichen, um die Palliativversorgung zu verbessern.

Fazit

Die Palliativpflege ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Gesundheitswesens, der weit über die reine Sterbebegleitung hinausgeht. Sie umfasst die ganzheitliche Betreuung von Patient:innen und deren Angehörigen, die Linderung von Symptomen und die Unterstützung in psychologischen und spirituellen Fragen. Die Herausforderungen und ethischen Dilemmata erfordern ein hohes Maß an Empathie, Fachwissen und Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team. Die kontinuierliche Weiterbildung und der Wissenstransfer sind entscheidend, um die Palliativversorgung weiter zu verbessern und für alle Betroffenen zugänglich zu machen.


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