Beschlossen am 14. Oktober 2026 · Nächste Überprüfung im Oktober 2027

Warum es diesen Kodex gibt

Wir arbeiten mit KI-Werkzeugen. Sie helfen uns, aus stundenlangen Aufnahmen lesbare Texte zu machen, Studien verständlich zusammenzufassen und in der Stellenbörse Ordnung zu halten. Was sie nicht können: die Verantwortung dafür übernehmen, was am Ende bei euch ankommt.

Diese Verantwortung bleibt bei Menschen. Dieser Kodex schreibt auf, wie wir sie wahrnehmen – damit ihr wisst, woran ihr bei uns seid, und damit alle, die für Übergabe veröffentlichen, dieselbe Messlatte haben.

Er gilt für alle, die unter dem Namen Übergabe etwas veröffentlichen: Redaktion, freie Mitarbeitende, Gäste und Gastautorinnen und -autoren. Und er gilt für alles, was wir herausgeben – Website, Newsletter, Podcast, App, Community und soziale Netzwerke.

Unsere Grundhaltung

KI ist ein Werkzeug, kein Autor. Jeder Beitrag, der bei uns erscheint, hat einen Menschen, der dafür geradesteht. Das ist keine Formalie: Wenn eine Zahl falsch ist, eine Quelle nicht existiert oder ein Zitat so nie gefallen ist, ist das unser Fehler – nicht der einer Software.

Zeitdruck ist kein Grund, das zu lockern. Wenn wir eine Prüfung nicht schaffen, veröffentlichen wir nicht oder wir sagen dazu, dass der Inhalt KI-generiert und ungeprüft ist. Wir veröffentlichen nichts still und hoffen, dass es passt.

Im Zweifel fragen, nicht raten. Niemand bekommt bei uns Ärger für eine Rückfrage. Ärger gibt es für eine ungeprüfte Veröffentlichung.

Wo wir KI einsetzen

Offen gesagt: an mehreren Stellen. Konkret nutzen wir KI für

  • Transkription unserer eigenen Aufnahmen – meist als internes Arbeitsmaterial und als Grundlage für Entwürfe,
  • Textentwürfe auf Grundlage unserer eigenen Aufnahmen und Recherchen, etwa Begleitartikel zu Podcastfolgen, Zusammenfassungen, Shownotes und Quizfragen,
  • Ideen und Sprache – als Anregung für Themen und für den sprachlichen Feinschliff eigener Texte,
  • interne Arbeitsmaterialien, etwa zur Vorbereitung von Podcastaufnahmen,
  • Bilder und Grafiken: einen Teil unserer Titelbilder, Grafiken für soziale Netzwerke und erklärende Darstellungen, etwa wenn die Fachliteratur keine passende bietet,
  • Sprachsynthese, um ausgewählte Textformate zusätzlich zum Hören anzubieten,
  • Sortier- und Einordnungshilfen, zum Beispiel um Stellenanzeigen zu kategorisieren,
  • Recherchehilfe im Arbeitsprozess, etwa um Quellen zusammenzufassen – nie als Beleg, immer nur als Wegweiser zur echten Quelle.

Was dabei entsteht, ist ein Entwurf. Nie das Ergebnis.

Wo wir KI nicht einsetzen – unsere roten Linien

Diese Punkte sind nicht verhandelbar:

  1. Keine erfundenen Belege. Wir übernehmen keine Quelle, keine Studie, kein Zitat, keine Statistik und keine Personenaussage aus einem KI-Werkzeug, ohne sie am Original geprüft zu haben. Sprachmodelle erfinden Belege, die überzeugend aussehen. Das ist der häufigste und gefährlichste Fehler.
  2. Keine synthetischen Darstellungen realer Menschen. Wir erzeugen keine Bilder, Videos oder Stimmen, die eine reale Person zeigen oder klingen lassen, als hätte sie etwas gesagt oder getan. Auch nicht zur Illustration, auch nicht als Zuspitzung.
  3. Keine KI-Bilder, die sich als echte Aufnahmen ausgeben. Ein mit KI erzeugtes Bild, das man für ein Foto halten könnte, kennzeichnen wir. Und eine mit KI erstellte Grafik geben wir nie als Abbildung aus einer Studie oder Quelle aus.
  4. Keine Fachaussagen aus der KI. Fachliche Aussagen zu Pflege, Medizin, Gesundheit oder Recht stammen bei uns von Menschen – von unseren Gästen, aus der Redaktion oder aus belegten Quellen. Wenn eine KI einen Text entwirft, gibt sie wieder, was gesagt wurde oder belegt ist. Eigenes Fachwissen ergänzt sie nicht. Unsere Leserinnen und Leser treffen auf dieser Grundlage berufliche Entscheidungen.
  5. KI verändert nicht, was in unseren Folgen gesagt wird. Jede Aussage in unseren Gesprächen stammt von einem echten Menschen, so wie er sie gesagt hat. Wir schneiden und bearbeiten den Ton, aber keine KI erzeugt, ersetzt oder verändert dabei Worte. Synthetische Stimmen setzen wir nur ein, um eigene Texte vorzulesen – nie in Gesprächen, und immer gekennzeichnet.
  6. Keine personenbezogenen Daten Dritter in KI-Werkzeuge. Hörerzuschriften, O-Töne, Bewerbungsunterlagen, Community-Beiträge, Gesundheitsangaben: nichts davon geht ohne Rechtsgrundlage und Einwilligung in ein KI-Werkzeug.
  7. Keine Entscheidungen über Menschen. Über Bewerbungen, Sperrungen, Mitgliedschaften oder Moderation entscheidet immer ein Mensch. KI darf vorsortieren, nicht urteilen.
  8. Keine KI, die sich als Mensch ausgibt. Weder in unserer Community noch anderswo veröffentlichen wir KI-Beiträge, die den Eindruck erwecken sollen, ein Mensch habe sie geschrieben.

Wie wir prüfen

„Geprüft" heißt bei uns nicht überflogen. Vor der Veröffentlichung geht ein Mensch den Text durch und kontrolliert:

  • jede Zahl, jedes Datum, jeden Eigennamen gegen die Primärquelle,
  • jedes Zitat gegen die Aufnahme oder das Originaldokument,
  • jeden Beleg und jeden Link: Existiert er? Sagt er wirklich das, was ihm zugeschrieben wird?
  • jede Fachaussage auf ihre Herkunft: Hat sie ein Gast gesagt, steht sie in einer Quelle – oder hat die KI sie hinzugefügt? Was die KI hinzugefügt hat, streichen wir.
  • jede Grafik und Darstellung wie einen Text: Zeigt sie nur, was belegt ist? Stimmen Beschriftungen und Zahlen?
  • Ton und Haltung: Ist das etwas, das wir so sagen würden?

Aussagen unserer Gäste geben wir als ihre Aussagen wieder. Wir laden Fachleute ein, damit sie ihr Wissen einbringen – nicht, damit wir jede ihrer Aussagen gegen Leitlinien nachschlagen. Fällt uns aber etwas auf, das offenkundig nicht stimmt oder Menschen schaden könnte, lassen wir es nicht unkommentiert stehen.

Wer prüft, trägt die Verantwortung für den Text – unabhängig davon, wer oder was den Entwurf geschrieben hat.

Bei heiklen Themen – Vorwürfe gegen Personen oder Einrichtungen, laufende Verfahren, sensible Betroffenenberichte – ersetzt diese Prüfung keine zweite Meinung. Die holen wir uns.

Wann wir kennzeichnen

Unser Maßstab ist einfach: Wir kennzeichnen, wenn ein Mensch sonst getäuscht würde.

Immer gekennzeichnet wird:

  • synthetisch erzeugte Stimmen. Wenn ein Beitrag von einer KI-Stimme gesprochen wird, steht das dabei – auch wenn die Stimme keine reale Person nachahmt und wir rechtlich nicht dazu verpflichtet wären. Wer uns hört, soll wissen, wem er zuhört.
  • KI-erzeugte oder KI-veränderte Bilder und Videos, sobald sie für echte Aufnahmen gehalten werden könnten. Im Zweifel kennzeichnen wir.
  • mit KI erstellte Grafiken und Darstellungen, die Inhalte erklären – etwa Schaubilder, Modelle oder Abläufe –, damit niemand sie für eine Abbildung aus einer Studie oder Quelle hält.
  • Texte, die es ausnahmsweise ungeprüft in die Veröffentlichung geschafft haben. Das ist der Notfall, nicht der Normalfall.
  • KI-gestützte Dialogfunktionen, sobald jemand bei uns mit einer Maschine statt mit einem Menschen schreibt.

Nicht gekennzeichnet werden redaktionelle Texte, die ein Mensch vor der Veröffentlichung vollständig geprüft hat und für die eine benannte Person die Verantwortung trägt. Das entspricht der Rechtslage – und es ist auch inhaltlich richtig: Der Text ist dann unsere Aussage, nicht die einer Maschine. Wir verschweigen den KI-Einsatz trotzdem nicht. Wer fragt, bekommt Antwort, und dieser Kodex steht öffentlich.

Ebenfalls nicht gekennzeichnet werden Hilfsmittel ohne Einfluss auf die Aussage: Rechtschreibprüfung, sprachlicher Feinschliff eigener Texte, Übersetzungshilfe im Entwurf, Ideenfindung, Suche, interne Transkription und interne Arbeitsmaterialien. Auch ein erkennbar gezeichnetes Titelbild, das niemand für ein Foto hält, braucht keinen Hinweis.

Formulierungen, die wir verwenden:

Dieser Beitrag wurde von einer synthetischen Stimme eingesprochen.
Symbolbild, mit KI erzeugt.
Eigene Darstellung, mit KI erstellt.
Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und vor der Veröffentlichung nicht vollständig redaktionell geprüft.

Die Kennzeichnung steht dort, wo sie gesehen wird – am Anfang, direkt am betroffenen Element oder in der Bildunterschrift. Nicht im Impressum, nicht im Kleingedruckten.

Gäste, Interviewpartner und Community

Wenn wir KI auf Beiträge anderer anwenden – etwa ein Interview transkribieren oder zusammenfassen – sagen wir es den Betroffenen. Niemand erfährt bei uns erst nach der Veröffentlichung, dass seine Worte durch eine Maschine gelaufen sind.

Für unsere Community gilt dasselbe in klein: KI zu nutzen ist völlig in Ordnung. Wenn ein Beitrag aber im Wesentlichen von einer KI stammt, gehört ein Hinweis dazu.

Wenn uns ein Fehler unterläuft

Wir korrigieren sichtbar. Ein Beitrag, der nachträglich geändert wurde, bekommt einen Korrekturhinweis – wir ändern nicht still und leise. Bei gravierenden Fehlern informieren wir aktiv, statt zu hoffen, dass es niemandem auffällt.

Fehler zu melden ist ausdrücklich erwünscht, von innen wie von außen: hallo@uebergabe.de

KI-Kompetenz

Wer bei uns mit KI arbeitet, muss verstehen, was diese Werkzeuge können und wo sie zuverlässig danebenliegen: erfundene Belege, veraltetes Wissen, eingebaute Verzerrungen, Datenschutzrisiken.

Deshalb bekommt jede und jeder, der neu mit uns arbeitet, vor dem ersten KI-Einsatz eine Einführung. Einmal im Jahr frischen wir das gemeinsam auf, weil sich sowohl die Technik als auch die Rechtslage bewegen. Ansprechpartner für alle Fragen dazu ist Christian Köbke.

Verantwortung

Verantwortlich für alles, was unter dem Namen Übergabe erscheint, ist Christian Köbke als Herausgeber (Kurt-Schumacher-Damm 27, 49078 Osnabrück, hallo@uebergabe.de).

Für unsere Mitarbeitenden heißt das: Ihr haftet nicht persönlich für die Einhaltung der KI-Transparenzregeln – das tut die Institution. Genau deshalb verpflichten wir uns hier gemeinsam auf diese Regeln. Der Kodex ist keine Absicherung nach oben, sondern eine Absprache untereinander.

Wer unsicher ist, ob etwas gekennzeichnet werden muss, fragt vor der Veröffentlichung nach. Wer meint, wir halten uns selbst nicht an diesen Kodex, sagt es – intern oder an hallo@uebergabe.de.

Welche Werkzeuge wir einsetzen

Diese Liste beschreibt den Stand vom 9. Oktober 2026 und wird fortgeschrieben, ohne dass der Kodex dafür neu beschlossen werden muss.

Nicht in dieser Liste stehen Werkzeuge ohne KI-Anteil – etwa die klassische Tonbearbeitung, die Pegel und Lautheit anpasst oder Störgeräusche entfernt. Das sind seit Jahrzehnten übliche Rechenverfahren und keine Künstliche Intelligenz. Wir zählen sie hier nicht mit, weil ein Kodex, der alles Automatische zu KI erklärt, am Ende nichts mehr aussagt.

  • Claude (Anthropic) – Textentwürfe, Zusammenfassungen, Shownotes, Quizfragen
  • ChatGPT (OpenAI), Gemini (Google), Copilot (Microsoft) – Ideen, sprachlicher Feinschliff, Recherchehilfe, interne Arbeitsmaterialien
  • NotebookLM (Google) – Zusammenfassen von Quellen
  • ChatGPT (OpenAI), Gemini (Google) – Titelbilder der Briefings, erklärende Darstellungen
  • Auphonic (Spracherkennung) – Automatische Transkription unserer Aufnahmen
  • ElevenLabs – Sprachsynthese für vertonte Textformate

Soweit diese Dienste Daten unserer Leserinnen und Leser, Hörerinnen und Hörer oder Mitglieder verarbeiten, steht das in unserer Datenschutzerklärung.

Rechtlicher Hintergrund

Dieser Kodex setzt die Transparenzpflichten der europäischen KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689) um, die seit dem 2. August 2026 gelten, sowie die Pflicht zur KI-Kompetenz, die seit dem 2. Februar 2026 gilt. Er geht an einzelnen Stellen bewusst über das gesetzlich Verlangte hinaus – insbesondere bei synthetischen Stimmen –, weil uns Vertrauen wichtiger ist als das Minimum.

Dieselbe Verordnung verpflichtet auch die Anbieter der Werkzeuge selbst. Anthropic hat im August 2026 angekündigt, dass Claude erzeugte Texte schrittweise mit einem für Menschen unsichtbaren, maschinenlesbaren Wasserzeichen versieht – einer statistischen Signatur in der Wortwahl, die berechtigte Stellen wie Aufsichtsbehörden, Medien und Forschung nachweisen können. Diese technische Kennzeichnung ersetzt unsere redaktionelle Verantwortung und Kennzeichnung nicht. Sie macht nur maschinell überprüfbar, was in diesem Kodex ohnehin offen steht.

Gültigkeit

Dieser Kodex wurde am 9. Oktober 2026 von der Redaktion gemeinsam beschlossen. Wir überprüfen ihn mindestens einmal jährlich, das nächste Mal im Oktober 2027. Änderungen besprechen wir gemeinsam.