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Diese Episode erschien am 21.12.2019 — einzelne Zahlen oder Regelungen können sich seither geändert haben.
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Das Wichtigste in Kürze
  • Der Übergabe-Podcast feiert nach einem Jahr 24 Folgen und großen Zuspruch.
  • Ein April-Scherz führte tatsächlich zum Interview mit Jens Spahn.
  • Das Team erhielt den Engagementpreis der Universität Witten/Herdecke.
  • Pflegekammer, Ethik und Organspende zählten zu den prägendsten Themen.
  • Jobboard und Creative-Commons-Lizenz erweitern den Podcast nachhaltig.

Ein Jahr Podcast – das fühlt sich an wie ein ganzes Leben in Episoden gemessen. Genau diesen Anlass nimmt das Team der Übergabe in seiner großen Weihnachtsfolge zum Anlass, das erste Jahr Revue passieren zu lassen. Franziska, Christian, Alex, Maik, Mike und Eva sitzen in Witten zusammen, scrollen durch die eigene Twitter-Timeline und stolpern dabei über Premieren, Pannen, hitzige Diskussionen und einen Aprilscherz, der eine ungeahnte Eigendynamik entwickelte. Wir nehmen dich mit auf diese Zeitreise durch zwölf Monate Pflege-Podcast.

Wie alles mit drei Männern und einem Mikrofon begann

Am 8. Dezember 2018 ging der erste Tweet online: „Unser Podcast ist online." Dahinter steckte die allererste Folge – aufgenommen in der Bibliothek der Universität Witten/Herdecke, ganz entspannt, aber auch ganz schön aufgeregt. Es war die berühmte „Männerfolge" rund um Digitalisierung und die damals viel diskutierten Pflegepersonaluntergrenzen. Schon diese erste Aufnahme legte den Grundstein für eine Eigenart, die das Team bis heute begleitet: die Länge. Knapp 1 Stunde und 47 Minuten dauerte der Auftakt – und über die ideale Episodendauer diskutiert die Runde seitdem konstant weiter.

Die Nervosität blieb ebenfalls ein treuer Begleiter. Egal, ob in der zweiten Folge mit Prof. Dr. Benjamin Kühme von der Hochschule Osnabrück zum Thema Akademisierung und Generalistik oder bei späteren Aufnahmen: Vor jeder Folge kribbelt es. Besonders spannend wurde es, als prominente Gäste am Mikrofon saßen – aber dazu später mehr. Klar wurde schnell: Hier sind keine ausgebildeten Journalist:innen am Werk, sondern Menschen aus der Pflege und der Pflegewissenschaft, die ihrem Fach eine Bühne geben wollen.

Ein heißes Eisen namens Pflegekammer

Mit der dritten Folge wagte sich das Team an ein Thema, das bis heute die Gemüter erhitzt: die Pflegekammer. Im Gespräch mit Martin Dichter sammelte die Redaktion vorab Fragen der Hörer:innen – und erntete eine bemerkenswerte Resonanz. Der Ankündigungs-Tweet wurde 35 Mal geteilt, die Kommentarspalten auf der Facebook-Seite des Podcasts füllten sich über mehrere DIN-A4-Seiten hinweg. Nicht jede Rückmeldung war freundlich – das Wort „Propaganda-Podcast" fiel das eine oder andere Mal.

Genau hier zeigte sich aber auch die Haltung der Redaktion: Kritik gehört dazu, und unterschiedliche Stimmen sind wichtig, auch wenn sie der eigenen widersprechen. Das Thema riss über das Jahr nicht ab. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Dezember 2019 standen die Entwicklungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein im Fokus – und die Runde diskutierte intensiv über Urabstimmungen, über demokratische Beteiligung und über die Frage, wer eigentlich die finanziellen Mittel hat, um öffentliche Meinung zu beeinflussen.

„Ich finde es wichtig, dass wir einfach Stimmen hören, die vielleicht nicht unserer Stimme entsprechen." — Eva

Der April-Scherz, der zur Realität wurde

Im März 2019 landete der Podcast auf Platz 64 der iTunes-Charts – und das Team äußerte halb im Scherz den Wunsch, einmal Jens Spahn als Gast zu gewinnen. Am 1. April folgte dann der wohl legendärste Tweet des Jahres: die angebliche Zusage des damaligen Bundesgesundheitsministers für eine Episode. 15 Retweets, 83 Likes – und so viele Menschen, die es glaubten, dass die Redaktion den Aprilscherz abends auflösen musste. Selbst im Bundesgesundheitsministerium soll kurz Verwirrung geherrscht haben, ob es da eigentlich eine Anfrage gebe.

Was als augenzwinkernde Spielerei begann, entfaltete eine erstaunliche Wirkung. Über das Jahr verlinkte das Team Jens Spahn und das Ministerium immer wieder in seinen Beiträgen. Und tatsächlich: Anfang November reiste die Crew nach Berlin und führte ein rund 30-minütiges Interview mit dem Gesundheitsminister – sowie mit Andreas Westerfellhaus, dem damaligen Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung. Als Spahn den Raum betrat, soll er die Aktion sogar selbst angesprochen haben. Aus einem Scherz wurde so ein echter Meilenstein, der zeigt, wie sehr ein junges, mutiges Medium die Pflegelandschaft erreichen kann.

Wenn die Technik einfach nicht mitspielt

Ein Podcast lebt nicht nur von guten Inhalten, sondern auch von Mikrofonen, Akkus und stabilen Verbindungen – und genau dort lauerten die größten Pannen. Bei der Europawahl-Folge, aufgenommen in einer ehemaligen Zeche in Essen, sprach das Team verschiedene Politiker:innen an. Dabei kam es zu einer Verwechslung: Ein Abgeordneter mit gelbem Hemd wurde kurzerhand der FDP zugeordnet, war aber Mitglied der SPD. Solche Outtakes hängt die Redaktion bis heute liebevoll an die Folgen – ein Markenzeichen geworden.

Besonders dramatisch wurde es bei der Aufnahme mit Kordula Schulz-Asche in Osnabrück: Der gebuchte Raum entpuppte sich als hallende Lagerhalle, das vergessene Ladegerät sorgte für ein konstantes Netzbrummen, draußen tobte ein Gewitter – und ein Teammitglied stand im Stau fest. Am Ende rettete der durchhaltende Akku die Folge. Auch beim Lernen der Aufnahmetechnik gab es Hürden: Lange war das Team von einer einzigen Person abhängig, die schneiden und produzieren konnte. Inzwischen haben sich weitere ins Thema eingearbeitet.

Themen, die unter die Haut gehen

Nicht alle Folgen ließen sich leicht wegmoderieren. Die Episode mit Prof. Dr. Martin Schnell zum Thema Ethik berührte tiefe Fragen rund um Sterben und Tod – und sorgte spürbar für Nachdenklichkeit in der Runde. Noch intensiver wirkte für viele die Folge zur Organspende mit B. Gruber: Was passiert eigentlich im Krankenhaus, welche Abläufe greifen, und welche Haltung habe ich selbst dazu? Solche Gespräche zeigen, dass der Podcast mehr ist als reine Wissensvermittlung – er ist ein Raum für Reflexion.

Dass das Team selbst dabei am meisten lernt, betont die Runde immer wieder. Von der Generalistik über Expertenstandards bis hin zu Community Health Nursing mit Wilfried Schnepp, von feministischen Perspektiven auf die Pflege bis zur Qualitätsmessung in der stationären Versorgung mit Klaus Wingenfeld – die thematische Bandbreite war enorm. Ein Hörer adelte den Podcast mit dem Vergleich, man werde langsam zur „Lage der Nation der Pflege".

„Wenn Klaus Wingenfeld etwas erzählt, dann kannst du mitschreiben und hast ein komplettes Buch. So reden zu können, wünsche ich mir manchmal." — Christian

Mehr als nur Folgen: Jobboard und freie Lizenz

Im März stellte das Team seinen Podcast unter eine Creative-Commons-Lizenz. Das bedeutet konkret: Die Folgen dürfen genutzt, verbreitet und öffentlich abgespielt werden – inhaltlich verändern darf man sie aber nicht, schon aus Respekt vor den Gästen. Dadurch fand der Podcast seinen Weg in Studienprogramme und Weiterbildungen. Gerade die Episode zur Advanced Practice Nursing wird gern in Schulen gehört und sorgte für viel positives Feedback.

Im September folgte das nächste Herzensprojekt: das Jobboard. Die Idee dahinter ist eine Plattform, auf der akademisch ausgebildete Pflegende Stellen finden, die zu ihrem Aufgabenprofil passen. Schon allein die Sichtbarkeit der dort vertretenen Arbeitgeber sendet ein Signal: Wer hier auftaucht, will akademische Pflege voranbringen. Eine kleine Druckwirkung, die das Team durchaus beabsichtigt hat – und über die es sich sehr freut.

Ein Preis, der den Funken würdigt

Der wohl emotionalste Moment des Jahres ereignete sich bei der Weihnachtsfeier der Universität Witten/Herdecke. Völlig überraschend erhielt das Team den Engagementpreis „Esprit Engagé" – Franziska reiste dafür sogar anderthalb Tage früher aus dem Urlaub an. In einer ausführlichen Laudatio zogen die Verantwortlichen eine eindrucksvolle Verbindung: So, wie die Pionierinnen der Pflegewissenschaft – darunter Christel Bienstein und Angelika Zegelin, allesamt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet – einst persönlich durch Hochschulen, Gremien und Landtage zogen, um für ihr Fach zu streiten, mache der Podcast heute dasselbe über Twitter, Spotify und Audio.

Die Würdigung hob hervor, dass es dem Team gelingt, komplexe und kontroverse Themen klar aufzuarbeiten, die Protagonist:innen zu Wort kommen zu lassen, ohne sich selbst zu verbiegen oder ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Nominiert wurde der Podcast von Julia Söntgen. In den Dankesworten wurde deutlich, worum es der Redaktion eigentlich geht.

„Ich glaube, wir sind nicht dazu da, der Pflege eine Stimme zu geben, denn die hat sie schon. Aber wir sind dazu da, sie ein bisschen lauter zu machen, ein bisschen unangenehm zu sein und kritische Dinge zu hinterfragen." — Franziska

Ein Danke an alle, die mitgetragen haben

Ein Jahr Podcast wäre ohne Unterstützung nicht denkbar gewesen. Das Team bedankt sich ausdrücklich bei den Hörer:innen, bei den vielen Gästen, beim Department für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke sowie bei Fachmedien, Verlagen und Verbänden, die früh auf den Podcast aufmerksam gemacht haben. Auch die Arbeitgeber und vor allem die Familien und Freund:innen werden gewürdigt – schließlich entsteht der gesamte Podcast ehrenamtlich, in der Freizeit, neben Beruf und Studium. Kein Tag im Jahr vergeht, ohne dass im Team über Termine, Themen und Recherchen kommuniziert wird, und jede:r übernimmt einen eigenen Part.

Für das kommende Jahr – damals war 2020 als Internationales Jahr der Pflegenden und Hebammen ausgerufen – stand bereits eine Aufnahme beim Deutschen Pflegetag in Berlin auf dem Plan. Inhaltlich kündigte das Team Folgen zu pflegenden Angehörigen und zur Leitlinienarbeit an. Und natürlich blieb die Hoffnung auf eine zweite Einladung ins Ministerium – vielleicht als kleine jährliche Tradition zum Geburtstag des Podcasts.

Wer das erste Jahr in Episodenform nachhören möchte: Diese Jahresrückblick-Folge ist der perfekte Einstieg. Und wenn dir der Podcast gefällt, freut sich das Team über jede Bewertung – etwa eine Rezension auf Apple Podcasts, die dabei hilft, der Pflege noch mehr Gehör zu verschaffen.

Zum Weiterhören

Unser Jahresrückblick

Mit dieser Folge senden wir mal keine Shownotes, sondern einfach ganz liebe Grüße an alle treuen Hörenden und an diejenigen, die neu zu uns gekommen sind.

Wir wünschen allen eine besinnliche Weihnachtszeit - auf das ihr gesund und munter bleibt und die Zeit genießen werdet. Außerdem wünschen wir einen frohen Jahreswechsel und ganz viel Glück, Liebe und Heiterkeit im nächsten Jahr!

Wir freuen uns sehr darauf, auch 2020 mit euch gestalten zu können, auf noch mehr spannende Themen und Gäste und vielleicht auch neue Ideen. Wir bedanken und herzlich bei allen, die dieses Jahr so fantastisch an unserer Seite gewesen sind, unterstützt und fleißig mit uns diskutiert haben. Vielen Dank an alle da draußen! Ohne euch wäre die Übergabe nicht dort, wo sie heute ist!

Also: ein Frohes Fest und einen guten Rutsch in das neue Jahr!

Christian, Eva Maria, Mike, Franziska und Alexander!