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Diese Episode erschien am 31.07.2021 — einzelne Zahlen oder Regelungen können sich seither geändert haben.
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Das Wichtigste in Kürze
  • Pflegefachpersonen erreichen beim Berufsansehen Platz 1 – möglicherweise als Pandemie-Effekt.
  • Der Personalzuwachs in der Altenpflege halbierte sich 2020, während Kliniken zulegten.
  • Bei der Kammerwahl in Rheinland-Pfalz lag die Wahlbeteiligung bei nur 16 Prozent.

Zwei Entwicklungen stehen im Mittelpunkt dieser kurzen Sommerfolge, die enger zusammenhängen, als es zunächst scheint: neue Zahlen zur Attraktivität und Arbeitsmarktsituation der Pflegeberufe – und das Ergebnis der Kammerwahl in Rheinland-Pfalz. Beides berührt die Frage, wie gut die Pflege ihre eigene Lage erfassen und vertreten kann.

Pflege beim Berufsansehen auf Platz 1 – Pandemie als Treiber

Das Jobportal Stepstone hat das Ansehen verschiedener Berufsgruppen ausgewertet. Grundlage waren neben der Nachfrage nach Stellen auf der eigenen Webseite auch eine Befragung von rund 2.000 Beschäftigten. Das Ergebnis: Pflegefachpersonen landen beim höchsten Ansehen auf Platz 1, dicht gefolgt von den ärztlichen Kolleg:innen auf Platz 2. Vier von zehn Befragten könnten sich sogar vorstellen, selbst in die Pflege zu wechseln. Die Auswertung dokumentiert diese steigende Wertschätzung für Pflegende im Detail.

Auffällig ist: An Ansehen gewonnen haben vor allem die Professionen, die nah an den Menschen arbeiten und als systemrelevant gelten – also etwa auch Erzieher:innen oder Beschäftigte im Einzelhandel. Ob dieser Effekt von Dauer ist oder vor allem damit zusammenhängt, dass diese Berufe in der Pandemie verstärkt in den Medien und der öffentlichen Debatte standen, lässt sich zum Zeitpunkt der Folge noch nicht sagen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Nachwuchs: Nach einem Bericht des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, das beim Bundesfamilienministerium angesiedelt ist, begannen 2020 rund 57.000 Menschen eine Pflegeausbildung – knapp 1.000 mehr als im Jahr vor der Pandemie. Ob das am gestiegenen Image, am Status eines systemrelevanten Berufs oder an der neuen generalistischen Ausbildung liegt, weist der Bericht allerdings nicht aus. Auch die Abbruchquoten sind nicht erfasst – und gerade die wären entscheidend, weil sich die Attraktivität letztlich an den realen Arbeitsbedingungen messen lassen muss. Belastbare Zahlen zu Ausbildungsabbrüchen gibt es zu diesem Zeitpunkt nur in Form einzelner Berichte.

Personalzuwachs in der Altenpflege halbiert sich – Kliniken legen zu

Wie sich diese Arbeitsbedingungen niederschlagen, zeigt eine Anfrage der Linken im Bundestag. Demnach hat sich der Beschäftigungszuwachs in der Altenpflege – also die Zahl der Menschen, die sich neu für eine Arbeit in diesem Bereich entscheiden – im Jahr 2020 spürbar abgeschwächt: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sank er von 3,1 auf 1,6 Prozent und damit nahezu auf die Hälfte. Die stockenden Personalzuwächse in der Altenpflege wertete die Linken-Politikerin Pia Zimmermann gegenüber der dpa als alarmierendes Signal, da die bisherigen Zuwächse kaum etwas an der Lage verändert hätten. Sie verwies auf Zahlen des GKV-Spitzenverbands, nach denen das 2019 gestartete Programm für 13.000 zusätzliche Stellen bis dahin nur zu etwa 3.000 Vollzeitstellen geführt habe.

Im Krankenhaussektor verlief die Entwicklung umgekehrt: Hier stieg der Beschäftigungszuwachs von 2,6 auf 3,2 Prozent. Ein Grund dafür könnte die Sogwirkung des Pflegebudgets sein – seit 2020 wird im Krankenhaus, anders als in der Altenpflege, jede neue Stelle für Pflegefachpersonen refinanziert. Das begünstigt einen Ausbau des Pflegediensts in den Kliniken, und laut Krankenhaus Rating Report 2021 wechseln auch Altenpflegekräfte verstärkt dorthin. Welche Rolle die Finanzierung bei dieser Abwanderung spielt, beschreibt der Bericht zum Pflegebudget genauer.

Für die Altenpflege bedeutet das: Beim Ansehen mag sie ganz oben stehen, bei der Finanzierung und den daraus folgenden Arbeitsbedingungen hat sie weiter erheblichen Nachholbedarf.

Kammerwahl in Rheinland-Pfalz: Nur 16 Prozent gaben ihre Stimme ab

Das zweite Thema: Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat ihre Vertreterversammlung neu gewählt – das höchste Organ der Kammer, vergleichbar mit einem Pflege-Parlament, in dem die Mitglieder an der Selbstverwaltung mitwirken. Wer dort hinein möchte, kann eine Kandidat:innenliste bilden, sofern sich weitere 150 wahlberechtigte Mitglieder finden, die diese unterstützen. Gewählt wird alle fünf Jahre per Brief- oder Onlinewahl.

17 Listen verschiedener Pflegeverbände und Vereinigungen traten an und warben um die Stimmen der rund 37.000 wahlberechtigten Pflegefachpersonen. Die Wahlbeteiligung blieb mit nur 16 Prozent jedoch gering. Das geht aus der Bekanntgabe der Pflegekammer hervor. Stärkste Kraft wurden die Pflegefachpersonen der Gewerkschaft ver.di, die auf zwei regionalen Listen zusammen 25,6 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielten und damit 21 der 81 Sitze in der Vertreterversammlung besetzen. Weitere Berichte ordnen den Ablauf und die geringe Beteiligung der Wahl ein.

Das Ergebnis wurde von den großen Pflegeverbänden unterschiedlich bewertet. Der ver.di-Pflegebeauftragte für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Michael Quetting, sah darin eine Chance zur Erneuerung der Kammerpolitik; die geringe Wahlbeteiligung und den Stimmverlust der Liste des amtierenden Präsidenten Markus Mai deutete er als Ausdruck von Misstrauen und Desinteresse – zugleich bot er eine sachliche Zusammenarbeit an. Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats, würdigte dagegen die Aufbauarbeit der bisherigen Vertreterversammlung und betonte, dass gerade die Pandemie gezeigt habe, wie wichtig eine starke pflegerische Selbstverwaltung und die Einbindung der Pflege in öffentlichen Gesundheitsdienst und Katastrophenschutz seien. Weitere Hintergründe liefert die Einordnung des Deutschen Pflegerats zum Wahlergebnis.

Warum beide Themen zusammenhängen

In pflegepolitischen Debatten geht es viel um Zahlen, Daten und Fakten zur Arbeitsmarktsituation. Diese stammen jedoch meist dezentral von einzelnen Instituten oder aus Studien. Belastbare, flächendeckende Zahlen zur Lage der Pflege – und damit zum Personalmangel – verschaffen argumentatives Gewicht. Genau das zu leisten, ist eine zentrale Aufgabe von Pflegeberufekammern: alle Pflegefachpersonen zu erfassen und auch deren Abwanderung aus dem Beruf sichtbar zu machen. Damit schließt sich der Kreis zwischen den beiden Themen.

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Quellen