- NRW bündelt die Assistenzausbildungen zur generalistischen einjährigen Pflegefachassistenzausbildung mit Vergütung.
- Land fördert künftig 1.700 statt rund 600 Assistenz-Ausbildungsplätze.
- RKI rät Pflegeheimen zu Personalaufbau, Booster-Planung und technischen Maßnahmen vor der vierten Welle.
In dieser Folge des PflegeUpdates haben sich die Hosts zwei kompakte Themen vorgenommen: die neu geordnete Assistenzausbildung in Nordrhein-Westfalen und die Frage, wie gut Pflegeheime auf eine mögliche vierte Welle der Corona-Pandemie vorbereitet sind. Beide Meldungen ordnen wir hier für dich ein – Stand ist der August 2021.
NRW führt die generalistische Pflegefachassistenzausbildung ein
Nordrhein-Westfalen hat seine Assistenzausbildung in der Pflege neu aufgestellt. Die bisherigen Ausbildungen in der Altenpflegehilfe sowie in der Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz gibt es in dieser Form nicht mehr. An ihre Stelle tritt eine einheitliche, generalistische Pflegefachassistenzausbildung. Damit zieht das Land die Logik der seit 2020 geltenden dreijährigen generalistischen Pflegeausbildung auch auf der Assistenzebene nach. Die Details und Rahmenbedingungen hat das Land in seiner Übersicht zur Pflegefachassistenzausbildung zusammengefasst.
Ganz neu ist die Regelung formal nicht: Die zugrunde liegende Ausbildungs- und Prüfungsverordnung war bereits zum 1. Januar 2021 in Kraft getreten. Bis zum 30. Juni 2021 galt jedoch eine Übergangsphase, in der noch nach den alten Ausbildungswegen ausgebildet werden konnte. Mit dem Ablauf dieser Frist ist die generalistische Pflegefachassistenzausbildung in NRW zum Zeitpunkt der Folge der einzig verbliebene Assistenzweg – das ist der Grund, warum das Thema gerade jetzt aufgegriffen wurde.
Begleitet wurde die Umstellung von einer Debatte um den Begriff selbst. Vor allem in den sozialen Medien wurde der Bestandteil „Fach" kritisiert: Es handle sich doch um einen Hilfsberuf, weshalb die Bezeichnung „Fachassistenz" als unpassend empfunden wurde. Andere Stimmen sahen darin schlicht eine sprachliche Angleichung an die neue dreijährige Ausbildung. Wie die Diskussion einzuordnen ist, beleuchtet unter anderem ein Bericht über den neuen Einstieg in den Pflegeberuf in NRW.
Das erklärte Ziel hinter der Reform ist es, mehr Menschen für die Pflege zu gewinnen. Nach Darstellung von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann soll möglichst vielen Interessierten der Einstieg in eine staatlich anerkannte, einjährige Ausbildung ermöglicht werden. Sichtbar wird das vor allem an der Förderung: Statt der zuvor rund 600 landesgeförderten Plätze stellt NRW nun 1.700 geförderte Ausbildungsplätze bereit. Hinzu kommt, dass die Auszubildenden eine Ausbildungsvergütung erhalten sollen – etwas, das gerade in der früheren Altenpflegehilfe-Ausbildung nicht selbstverständlich war. Die Hintergründe und Aussagen des Ministeriums finden sich in der Pressemitteilung des Landes zu den neuen Bildungswegen.
Für Pflegefachpersonen ist die Neuordnung in zweierlei Hinsicht relevant: Sie betrifft die Zusammensetzung der Teams, in denen künftig generalistisch ausgebildete Assistenzkräfte mitarbeiten, und sie macht den Einstieg in die Pflege – etwa über die spätere Verkürzung einer dreijährigen Ausbildung – durchlässiger. Da die Assistenzausbildung Ländersache ist, bleibt zum Zeitpunkt der Folge offen, in welchem Tempo andere Bundesländer ähnliche Wege gehen.
RKI rät Pflegeheimen zu Vorbereitungen auf die vierte Welle
Das zweite Thema der Folge dreht sich um die Corona-Pandemie und die Frage, wie gut die stationäre Langzeitpflege auf einen erneuten Anstieg der Infektionszahlen vorbereitet ist. Zum Zeitpunkt der Aufnahme zeichnete sich ab, dass das damals angestrebte Ziel, bis zum Herbst mindestens 80 Prozent der Bevölkerung vollständig zu impfen, voraussichtlich nicht erreicht würde. Die Impfkampagne verlangsamte sich, während die Zahl der Corona-Patient:innen auf den Stationen langsam wieder stieg.
Wie ernst die Lage für Pflegeheime ist, zeigt ein Blick zurück: Bis zum Frühjahr 2021 starben allein in der stationären Langzeitpflege rund 29.000 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 – eine Dimension, die eine Chronik unter dem Titel eines kollektiven Kontrollverlusts in Alten- und Pflegeheimen nachzeichnet. Auch der zum Zeitpunkt der Folge erreichte Stand von mindestens 80 Prozent vollständig geimpften über 60-Jährigen bedeutete laut Robert Koch-Institut keine Entwarnung. Gerade in dieser Altersgruppe gibt es Menschen, die aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können – sogenannte Impfdurchbrüche. Sie sind besonders darauf angewiesen, dass das Umfeld geimpft und damit weniger infektiös ist. Zusammen mit den neuen Virusvarianten ergeben sich daraus die Szenarien, vor denen das RKI warnt.
Auf dieser Grundlage hat das RKI Modellrechnungen und konkrete Empfehlungen veröffentlicht, die wir für dich verlinkt haben: Der Hinweis, dass das RKI zu Vorbereitungen in Pflegeheimen rät, lässt sich auf drei Säulen zusammenfassen.
Personal, Booster und Technik als drei Säulen
Erstens empfiehlt das RKI, die Personalressourcen gezielt aufzubauen. Hygienemaßnahmen, Beratung und individuelle Lösungen zur Kontaktvermeidung lassen sich nur mit ausreichend geschultem Fachpersonal umsetzen. Eine konkrete Vorgabe, wie eine solche personelle Reserve organisiert werden soll, gibt das Papier nicht – hier sind die Einrichtungen selbst gefordert. Für viele Pflegefachpersonen dürfte diese Empfehlung wenig überraschend sein, war der Personalmangel doch schon vor der Pandemie ein Dauerthema. Dass er nun offiziell als zentrale Voraussetzung für den Infektionsschutz benannt wird, ist dennoch ein wichtiges Signal.
Zweitens sollen die Einrichtungen gemeinsam mit den zuständigen Ärzt:innen und Behörden frühzeitig mögliche Drittimpfungen, sogenannte Booster, planen und strukturell organisieren. Diese sollten vorrätig sein, um insbesondere gegen neue Virusvarianten zu schützen. Eine gut organisierte Impfstrategie für die Heime forderte zu diesem Zeitpunkt auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA).
Drittens rät das RKI deutlich zu technischen Maßnahmen – etwa zum Einsatz von CO₂-Messgeräten und leistungsfähigen Luftfilteranlagen, um die Aerosolbelastung in Innenräumen zu senken. Ergänzend zeigen die Modellrechnungen, wie sich Krankenhauseinweisungen und die Auslastung der Intensivkapazitäten je nach erreichter Impfquote entwickeln könnten: Bei einer Quote von unter 85 Prozent bis zum Herbst fielen die Szenarien deutlich ungünstiger aus.
Für die Praxis bleibt zum Zeitpunkt der Folge vieles offen: Wie die Einrichtungen die Empfehlungen konkret umsetzen und ob sie dabei ausreichend unterstützt werden, war noch nicht absehbar. In der Folge klang an, dass viele Pflegende dem mit nachvollziehbarer Skepsis begegneten – aus Sorge, am Ende erneut ohne ausreichende Unterstützung dazustehen.
Zum Weiterhören
- ÜG054 – Soziale Teilhabe in Altenpflegeheimen unter Covid-19 in S1-Leitlinie und Survey-Studie
- ÜG044 – CORONA SPEZIAL #10: Isolation im Heim
- ÜG017 – Generalistische Ausbildung
Quellen
- Vorbereitung auf den Herbst/Winter 2021/22 (rki.de)
- Vierte Welle der COVID-19-Pandemie – RKI rät zu Vorbereitungen in Pflegeheimen (bibliomed-pflege.de)
- Corona-Pandemie: Akte Altenheim – Chronik eines kollektiven Kontrollverlusts (faz.net)
- Pflegefachassistenzausbildung (mags.nrw)
- Neue Bildungswege in der Pflege | Das Landesportal Wir in NRW (land.nrw)
- Pflegefachassistenzausbildung – Neuer Einstieg in den Pflegeberuf in NRW (bibliomed-pflege.de)
