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Diese Episode erschien am 02.04.2022 — einzelne Zahlen oder Regelungen können sich seither geändert haben.
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Das Wichtigste in Kürze
  • In Mecklenburg-Vorpommern sollen Auszubildende und Studierende kurzfristig in den Kliniken aushelfen.
  • Bundesweit steigen die Corona-Personalausfälle, besonders auf den Allgemeinstationen.
  • Neue Zahlen zeigen: Krankenhauspersonal ist mehrheitlich geimpft – die Uni Trier startet zudem ein Promotionsprogramm Pflegewissenschaft.

In dieser Folge des PflegeUpdates geht es um zwei sehr unterschiedliche Entwicklungen: Zum einen verschärft sich im Frühjahr 2022 die Personallage in den Krankenhäusern durch die Corona-Pandemie – mit drastischen Folgen bis hin zum Einsatz von Auszubildenden. Zum anderen gibt es endlich wieder gute Nachrichten für die akademische Pflege. Wir fassen den damaligen Stand für dich zusammen.

Mecklenburg-Vorpommern zieht Auszubildende und Studierende in die Kliniken

Die Lage in den Krankenhäusern spitzte sich zum Zeitpunkt der Folge spürbar zu. In Mecklenburg-Vorpommern reagierte die Landesregierung mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) gab bekannt, dass Pflegeauszubildende und Studierende in den kommenden Wochen in den Kliniken aushelfen sollen. Auszubildende ab dem zweiten Ausbildungsjahr sollten ab April für bis zu vier Wochen vom Unterricht befreit werden, um auf den Stationen mitzuarbeiten. Auch Medizinstudierende waren eingeplant, der Semesterstart wurde dafür um vier Wochen verschoben. Die Universitätsmedizin in Greifswald und Rostock richtete eigens Jobbörsen ein, um die Studierenden zu rekrutieren und zu koordinieren.

Hintergrund war die hohe Inzidenz – nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern bundesweit. Das Coronavirus machte vor dem Klinikpersonal keinen Halt: Zum Zeitpunkt der Folge fielen in dem Bundesland bis zu 30 Prozent der Beschäftigten aus, weil sie selbst erkrankt oder in Quarantäne waren.

Für dich als Pflegefachperson ist dieser Schritt zwiespältig. Einerseits brauchen Ausnahmesituationen oft auch außergewöhnliche Maßnahmen. Andererseits stehen Auszubildende eben mitten in ihrer Ausbildung – mit einem schulischen Unterricht, der ihnen rechtlich zusteht und der nicht ohne Weiteres ausfallen sollte. Der vorübergehende Verzicht auf Theorieblöcke zugunsten von Stationsarbeit verschiebt diese Balance deutlich und wirft Fragen zur Ausbildungsqualität auf.

Personalausfälle bundesweit – Allgemeinstationen stärker betroffen als die Intensivpflege

Die Situation in Mecklenburg-Vorpommern war dabei kein Einzelfall. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts traten die Personalausfälle am häufigsten beim Pflegepersonal auf – auch deshalb, weil es die größte Beschäftigtengruppe im Gesundheitswesen ist. Auffällig war eine Verschiebung: Inzwischen war vor allem das Personal auf den Normalstationen betroffen, während die Ausfälle in der Intensivpflege etwas geringer ausfielen. Rund die Hälfte der Kliniken meldete bundesweit Personalausfälle von bis zu 20 Prozent – deutlich mehr, als für diese Jahreszeit üblich gewesen wäre. Eine Einordnung der Umfrage zu den hohen Personalausfällen findest du in der verlinkten Meldung.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sah angesichts der Lage dringenden Entlastungsbedarf, damit die Versorgung aufrechterhalten werden kann. Sein Vorschlag: Bürokratie abbauen und unnötige Dokumentation reduzieren, weil diese in der akuten Krise kaum noch zu leisten sei.

Die Zahlen verdeutlichen die Dynamik: Drei Viertel der Kliniken konnten ihre Betten auf den Allgemeinstationen zum damaligen Zeitpunkt nicht vollumfänglich belegen – 24 Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn. Damit verlagerte sich der Fokus, der lange auf der Auslastung der Intensivstationen lag, zunehmend auf die Allgemeinstationen.

Neue Zahlen zur Impfquote: Krankenhauspersonal ist mehrheitlich geimpft

Lange hielt sich in der öffentlichen Debatte die Annahme, viele Pflegende lehnten die Corona-Impfung ab. Mit dem Greifen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht – seit Mitte März 2022 in Kraft – ließ sich das nun belastbarer beurteilen. Eine Blitzumfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft unter 361 Krankenhäusern mit mehr als 50 Betten zeigte: Im Durchschnitt waren nur rund sechs Prozent der Beschäftigten weder geimpft noch genesen. Die Auswertung, wonach 94 Prozent der Krankenhausbeschäftigten geimpft oder genesen sind, fasst die Ergebnisse zusammen.

Erfasst wurden dabei diejenigen, die an die Gesundheitsämter gemeldet werden mussten – also Personen ohne Impf- oder Genesenennachweis. Bei den Pflegenden lag der Anteil der Ungeimpften im Schnitt bei sieben Prozent, im Intensivpflegedienst bei vier Prozent und im ärztlichen Dienst bei drei Prozent. Spannend ist ein weiterer Befund: Die Impfbereitschaft des Personals spiegelte die der Gesamtbevölkerung in der jeweiligen Region wider. Wo die Impfquote in der Bevölkerung hoch war, fielen auch die Meldungen ungeimpfter Beschäftigter an die Gesundheitsämter geringer aus.

Vor diesem Hintergrund sprachen sich zum Zeitpunkt der Folge mehrere Akteur:innen aus dem Gesundheitswesen für eine allgemeine Impfpflicht aus – darunter die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die damit eine Überlastung des Gesundheitssystems im kommenden Herbst verhindern wollte. Ob und wie eine solche allgemeine Impfpflicht kommt, war damals politisch noch offen.

Promotion in Pflegewissenschaft: Die Uni Trier füllt eine Lücke

Zum Abschluss eine erfreulichere Nachricht: Die Universität Trier kündigte an, voraussichtlich ab Herbst 2022 ein Promotionsprogramm in der Pflegewissenschaft anzubieten. Das hat besondere Bedeutung, denn rund ein Jahr zuvor war die Schließung der pflegewissenschaftlichen Fakultät an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar bekannt geworden – der bis dahin einzigen rein pflegewissenschaftlichen Fakultät und einem zentralen Ort für pflegewissenschaftliche Promotionen. Die Uni Trier will diese Lücke nun schließen und hat nach eigenen Angaben über Jahre auf diesen Schritt hingearbeitet. Details findest du in der Pressemitteilung der Universität Trier.

Kurz zur Einordnung: Mit einer Promotion wird der akademische Grad eines Doktors oder einer Doktorin verliehen. Sie weist nach, dass man sich nach dem Studium – in der Regel nach Bachelor und Master – vertiefend mit einem wissenschaftlichen Themengebiet auseinandergesetzt hat. Dazu schreibt man eine Dissertation und verteidigt sie anschließend mündlich. Promovieren kann man allerdings nicht überall: Es braucht eine Universität oder gleichgestellte Hochschule mit Promotionsrecht sowie eine betreuende Person, meist eine Professorin oder ein Professor mit Expertise im jeweiligen Themenfeld.

Für die Pflege gibt es verschiedene Wege. Neben Graden wie dem Dr. rer. medic. oder dem Dr. rer. cur. ist international vor allem der PhD anerkannt, den man in Deutschland seit 2013 an der Universität Witten/Herdecke erwerben kann. Der nächste Qualifikationsschritt wäre dann die Habilitation, um an Universitäten zu lehren.

Die Uni Trier bietet bereits einen primärqualifizierenden Bachelorstudiengang sowie seit 2021 einen Master für interprofessionelle Gesundheitsversorgung mit den Schwerpunkten Advanced Nursing Practice sowie Gesundheitsförderung und Intervention an. Ergänzend baut die Hochschule ein Nursing Graduate Center auf, in dem hochschulübergreifende Forschungsvorhaben umgesetzt werden sollen. Laufende Projekte beschäftigten sich damals etwa mit der wissenschaftlichen Erfassung von Stresssymptomen bei Intensivpflegefachpersonen und mit der Bedeutung körperlicher Aktivität bei Brustkrebspatient:innen.

Genau an solchen Beispielen wird die gesellschaftliche Relevanz pflegewissenschaftlicher Forschung sichtbar. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch und Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonten die Bedeutung eines starken wissenschaftlichen Nachwuchses in der Pflege – gerade mit Blick auf den demografischen Wandel und den Pflegepersonalmangel. In ländlich geprägten Regionen wie Rheinland-Pfalz braucht es neue Versorgungsstrukturen und Ideen, um die Versorgung der Bevölkerung langfristig zu sichern.

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Quellen